TARA Atelier

  
TARA
Tanja Rauschtenberger

Diplom Designerin
Freischaffende Künstlerin

Atelier und Büro:
Adele-Weidtman-Str. 36
52072 Aachen, D

E-Mail :
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Web :
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Zur Kunst: "Bewegtes Leben - sinnlich schlichter Reichtum" (2009)

 

Bewegtes Leben - sinnlich schlichter Reichtum

Dr. Dirk Tölke, Kunsthistoriker


    Die Diplomdesignerin und seit 1994 freischaffende Aachener Künstlerin Tanja Rauschtenberger hat sich im Laufe ihrer Ausbildung auch mit Textilgestaltung intensiver auseinandergesetzt, was zunächst an einigen ihrer ausgestellten Werke auffällt.

    Thematisch eint die Arbeiten das Thema Natur, speziell die Tiefsee. Dieser besondere Blick auf die Natur im und am Wasser, die die Künstlerin schon länger beschäftigt, hängt auch mit ihrer Erfahrung als Taucherin zusammen. Das Besondere beim Tauchen ist, dass dort unten in einem Bereich bis ca. 10 Meter Tiefe, wo durch das Restlicht noch alles gut sichtbar ist, langsam ganz andere Farbstimmungen entstehen. Man gewahrt dort genauso Landschaften, verändert dadurch, dass das Leben und das Sehen in einer etwa 10%igen Vergrößerung stattfindet.

    Der Meeresgrund bietet Hügellandschaften, Korallengebirge, steile Wände, an denen sich Pflanzen, Anemonen und Fische bewegen. Es ist auch strömungsbedingt sehr viel tentakeliges unterwegs, seien es nun Tintenfische, Kraken, sei es Unterwassergras. So wie ein Ährenfeld im Wind erscheint alles bewegt, aber unter Wasser ist das ganze Medium bewegt, in dem man das erlebt. Da werden Pflanzen und Tier in ganz andere wallende Bewegungen gebracht, bietet sich eine ganz andere Farbigkeit, Farbatmosphäre und Formwelt. Zivilisationsspuren, Unrat und Veränderungen im ökologischen System, die hier viel unbemerkter und drastischer ablaufen, bringen diese gerade erst in Entdeckung befindliche Welt zum Verschwinden, eine Welt die eben beeindruckend und schön, wie schützenswert ist.

    Dieser Aspekt einer bedrohten Welt, die durch Abbau von Bodenschätzen und Überfischung mit immer kleinmaschigeren Netzen bedroht ist, weil Nahrungsquellen und Nahrungskonkurrenten des Menschen auch immer kleiner werden, führt dazu, dass auch im Werk von Tanja Rauschtenberger dieser Gedanke als kleine Mahnung immer mitgedacht ist.


    In der Bearbeitung dieser Thematik beschränkt sich Tanja Rauschtenberger nicht auf ein Medium. Sie finden frühe Studien anläßlich eines Aquariumsbesuchs, Farbfotografie, Malerei in Acryl/Öl und textile Formkörper. Alle loten sie das charakteristische dieser Tierwelt aus, machen etwa den Unterschied zwischen Tintenfisch- und Krakenaugen deutlich, reduzieren mit einer Vorliebe für Rosa/Rotwerte die wolkenlose Ferne der Unterwasserwelt auf kaum tiefendimensionale Schichtungen.

    In dieser der Stilisierung nahe kommenden Vereinfachung auch der Körperumrisse wirkt das grafische und signethafte nach und führt zu einer zeichenhaft verkürzten Erfassung des als Wesentlich erachteten. Im Foto eines felsgelagerten Tintenfisches und seiner seltsam abstoßend-neugierweckenden Gestalt offenbaren sich auch chamäleonhafte Aspekte, da dieses Kopffüßler-Tier die Fähigkeit hat, sich in Form und Farbe an den Untergund anzupassen. Im Blick der Künstlerin, die sich um Form und Farbe Gedanken macht, ergibt sich auch die Frage, wie eigentlich der Normalzustand dieses Tieres aussieht, die Standardform. Wie kann man das herausbekommen? Auch davon handeln diese Werke und Objekte. Mit der Veränderung der Lichtatmosphäre in tieferen Gründen hat man diesen ins bläuliche verschwimmenden Eindruck und eine vage verschwimmende Oberflächenzeichnung.

    Die Tendenz zur Vereinfachung und der Erfassung der stetig bewegten, selten treibenden und verharrenden Gestalten im Wasser führte die Künstlerin zu seriellen Bildern und Objekten, wie den Fischen, die als Schwärme erscheinen, in ungewöhnlich vertikal keilender Verdichtung oder in an den Raum anpassbarer Aufstellung mit haptisch bewußt ausgewählter Stoff- und Oberflächenqualität, die Fühlerfahrungen weitergibt.


    Auch Tanja Rauschtenberger schwärmt in unterschiedlichen Medien sinnlich aus, um die faszinierend flukturierende Kraft dieser Wasserwelt zu vermitteln: mehr Formenreichtum und stille Weite als abenteuerlich brenzlige Situationen oder bunte Farbwelten. Ein weites Feld und unbearbeitetes Terrain für ganz neue Landschaftsbilder und Formvorbilder zwischen Geschmeidigkeit und Bizarrerie.

Text: Dr. Dirk Tölke, Kunsthistoriker, Oktober 2009